Nun bin ich ja seit fast einem halben Jahr Vegetarier und ich dachte mir, ich erzähl mal warum.
Ich war immer schon einer der Menschen, die ihren Döner meist mit extra Fleisch gegessen haben und die ein Essen ohne Fleisch unbefriedigend fanden. "Fleisch ist mein Gemüse", den Spruch fand ich cool und Grillen ging ohne Salat auch deutlich besser. Ich war weit entfernt von einem bewussten Fleischkonsum. Ich habe sogar des öfteren mit einigen Vegetariern diskutiert und versucht ihnen klar zu machen, dass ihr Verzicht nichts bewirkt und die Tiere weiterhin sterben. Bei Witzen über Vegetarier habe ich mit am lautesten gelacht.
Nun die Frage, was hat mich dazu bewogen auf Fleisch zu verzichten. Ich glaube auch heute noch, dass ich wenig bis gar nichts dadurch ändern werde, dass ich Vegetarier bin. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass Richtige zu tun. Angefangen hat das ganze bei mir mit Peter Singer, einem bekannten Philosophen. Peter Singer beschäftigt sich in großen Teilen seiner Werke mit Ethik und auch speziell Tierethik. Was ich von ihm gelesen habe war und ist die Grundlage für meinen Vegetarismus.
Für mich stellt sich die Frage, was ein Tier derart vom Menschen unterscheidet, dass ich es züchten, mästen, sein Leben bestimmen, töten und essen darf. Wer Christ oder andersweitig gläubig ist wird erwähnen das wir "von Gott geschaffen/geliebt" sind und daher seine übergeordnete Stellung herleiten. Ich kann diese Ansicht nicht teilen und bin der Ansicht, dass es sich die Gläubigen hier ziemlich einfach machen. Aber das ist ein anderes Thema.
Wer nicht davon ausgeht, dass er seine übergeordnete Stellung nicht per Definition schon in sich trägt, bleibt es schuldig zu erklären, warum er sich dann übergeordnet verhält oder auch gar so sieht.
Ein beliebtes Argument ist hier der dem Menschen eigene Intellekt. Wir sind, unserem Verstehen nach, zu deutlich komplexeren Denkleistungen fähig als alle anderen Tiere. Heist das, wer intelligenter ist als der andere darf den Unterlegenen dominieren? Eine abgewandelte Form von der Dominanz des Stärkeren? Warum gilt das nicht auch für Beziehungen zwischen Menschen? Wo ist hier bitte die Grenze? In jungen Jahren sind kleine Kinder in ihren kognitiven Fähigkeiten nicht weiter, als einige der inelligenteren Tiere. Warum darf ich sie nicht dominieren? Wenn es nur der Intellekt ist, warum darf ich dann Schweine töten, während selbst dem Embryo eines Menschen von vielen schon "Menschenrechte" zugesprochen werden? Kann ich hier die Grenze ziehen? Wer den Intellekt als Trennungslinie zwischen Tier und Mensch zieht, begibt sich auf äußerst dünnes Eis. Gerne wird auch vom Potential eines Menschen gesprochen. Was aber ist mit schwer behinderten Menschen? Nur dadurch, dass ein Mensch nicht mit den selben Fähigkeiten geboren wurde wie man selbst, hat man noch lange nicht das Recht ihn zu benachteiligen oder ihn gar auszunutzen oder zu misshandeln. Das ist, hoffentlich, für die meisten Menschen selbstverständlich. Warum aber gilt das nicht auch für Lebewesen im Allgemeinen?
Jedes Tier hat das Bedürfnis zu leben. Der Mensch ist das einzige Tier, dass sich selbst willentlich und bewusst umbringt. Es stoßen hier zwei verschiedene Interessen aufeinander.
1. Mein Interesse das Tier essen zu wollen
und
2. Das Interesse des Tieres zu leben.
Meine Interessen können nicht per Definition mehr wert sein als die eines anderen, weder eines Menschen noch eines Tieres. Daher stellt sich die Frage, wessen Interesse schwerer wiegt. Ich muss kein Fleisch essen, um zu überleben. Ich habe in unserer westlichen Welt nicht einmal einen Nachteil, wenn ich Vegetarier bin, abgesehen von dem, dass ich auf den "Genuß" von Fleisch verzichten muss. Aber ist dieser egoistische Gedanke Rechtfertigung genug, um das Tier gegen seinen Willen zu töten? Für mich nicht.
Eine der tollsten Stammtischparolen noch kurz zum Schluß: "Die essen sich doch gegenseitig auch!"
Auf der einen Seite berufen wir uns auf unseren Intellekt, wollen uns dann aber hier doch wieder vermeintlich minder intelligente Lebewesen zum Vorbild nehmen? Viele Tiere sind im Gegensatz zu uns darauf angewiesen, andere Tiere zu essen. Nur so können sie ihr eigenes Überleben sichern. Ein Mensch braucht das längst nicht mehr und Fleisch nur aus Tradition zu essen ist auch pervers(Es ist schließlich auch keine Tradition, Frauen nicht wählen zu lassen). Abgesehen davon stimmt es, wir sind intelligenter als Tiere. Sie können nicht darüber reflektieren, ob es "richtig" oder "falsch" ist, den anderen zu essen. Daher können wir ihnen keinen Vorwurf machen und sie uns erst recht nich zum Vorbild nehmen.
so far und in aller Kürze!
"in aller Kürze" trifft es ganz gut. Singer geht in seinem Werk "Practical Ethics" ja nicht umsonst seitenweise auf die Thematik ein. ;)
AntwortenLöschenAber ich denke, die grundsätzlichen Gedanken hast du wiedergegeben.
"in aller Kürze" trifft es ganz gut. Singer geht in seinem Werk "Practical Ethics" ja nicht umsonst seitenweise auf die Thematik ein. ;)
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